Nachgefragt bei Katharina Senftleben (Kuehne + Nagel (AG & Co.) KG)
Welche Fehler im Bewerbungsprozess sehen Sie immer wieder und wie kann man diese vermeiden?
Ich sehe leider immer wieder, dass Bewerbungsunterlagen nicht vollständig hochgeladen werden. Darüber hinaus ist der Name und die Anschrift des Unternehmens nicht korrekt oder der Ausbildungsberuf im Anschreiben ist falsch bzw. bezieht sich auf ein anderes Unternehmen. Das alles macht keinen guten Ersteindruck. Hinzu kommen Rechtschreibfehler im Anschreiben. Diese können ganz einfach vermieden werden, wenn man sich Zeit für die Bewerbung nimmt und vorm Abschicken noch einmal alles kontrolliert. Vielleicht hilft für den Bewerbungsprozess eine kleine Checkliste mit den wichtigsten Dingen wie zum Beispiel richtige Firma und Anschrift, richtiger Ansprechpartner, korrekter Ausbildungsberuf, vollständige Unterlagen wie Anschreiben, Lebenslauf, aktuelles Zeugnis, Praktikumsbeurteilungen, etc.
Wie würden Sie als Arbeitgeber reagieren, wenn jemand keine perfekte Bewerbungsmappe, dafür aber richtig viel Motivation mitbringt?
Wenn ich eine nicht perfekte Bewerbungsmappe erhalte, die dennoch den Eindruck hinterlässt, dass der Bewerber bzw. die Bewerberin sich Mühe gegeben hat, werde ich ihn oder sie im ersten Schritt einmal telefonisch kontaktieren, um einen ersten persönlichen Eindruck zu erhalten. Fehler können passieren und niemand ist perfekt. Daher gebe ich Kandidaten dennoch die Chance, mich von ihrer Motivation und ihrem Interesse persönlich zu überzeugen. Die nächsten Schritte sind für mich dann abhängig von der Erreichbarkeit, dem Rückmeldeverhalten und natürlich dem ersten telefonischen Eindruck.
Können Sie uns einen Einblick in den Auswahlprozess geben? Spielt dabei auch das Bauchgefühl eine Rolle?
Um die letzte Frage vorab zu beantworten: Ja, das tut es, zumindest bei mir. Das Bauchgefühl ist nach einem persönlichen Vorstellungsgespräch für mich und unsere Entscheider von großer Bedeutung. Je Ausbildungsberuf oder Studium und Bewerberanzahl gehe ich in die Vorauswahl für die Kandidaten, die wir zu einem persönlichen Gespräch einladen möchten. Hier spielen der Ersteindruck der Bewerbung, die aktuelle Notenübersicht und Praktikumsbeurteilungen eine wichtige Rolle. Sobald die Vorauswahl getroffen ist, bespreche ich mich mit dem Abteilungsleiter und dem Ausbildungsbeauftragten und wir terminieren die Vorstellungsgespräche. Bei uns nehmen immer ein Kollege bzw. eine Kollegin aus dem entsprechenden Fachbereich und ich an einem Vorstellungsgespräch teil. In den Gesprächen achten wir darauf, wie gut der- oder diejenige auf das Gespräch, auf das Unternehmen und den künftigen Ausbildungsplatz vorbereitet ist. Hier zählt der persönliche Eindruck und wie anfangs bereits erwähnt, eine große Portion Bauchgefühl.
Wie haben digitale Werkzeuge und die Möglichkeit von Homeoffice die Erwartungen und Ansprüche von Schülern und Azubis verändert? Welche Trends beobachten Sie in diesem Bereich?
Homeoffice spielt bei uns insbesondere in den gewerblichen Bereichen keine Rolle. Aber auch im kaufmännischen Bereich habe ich nicht den Eindruck, dass Homeoffice das ausschlagende Argument bei den jungen Leuten ist. Ich glaube, dass das Gesamtpaket der Ausbildung eine viel größere Rolle spielt. Hierzu zählen zum Beispiel die Azubi-Gemeinschaft, die Sozialleistungen, die Abwechslung innerhalb der Ausbildung und auch der Führungsstil der künftigen, fachlichen Vorgesetzten. Auch wir als Unternehmen müssen im Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck machen, insbesondere in Zeiten, in denen das Angebot zur Ausbildung so groß und vielfältig ist. Darüber hinaus habe ich in der Vergangenheit festgestellt, dass Umweltschutz und Klimapolitik innerhalb des Unternehmens eine immer größere Rolle für einen Teil der Schüler und Azubis spielt.
Gibt es einen Karriere-Tipp, den Sie sich - basierend auf Ihrem heutigen Wissen - rückblickend selbst als Schüler gern gegeben hätten?
Sei offen und interessiert. Informiere dich bei Ausbildungsmessen und schau im Rahmen von Praktika in verschiedene Branchen und Berufe hinein. Höre auf dein Bauchgefühl. Fühlt es sich gut an? Dann ist es meist auch das Richtige!












